DSC_0260.jpg

Angel Dobrev (Klangwelten-Festival 2001)

1/1

01.12.01 – Angel Dobrev (Klangwelten-Festival 2001)Y

Michael Müller / Offenburger Tageblatt (04.12.01)
(Wirbedanken uns bei Michael MüllerfürText und Fotos, die er kostenlos zur Verfügung gestellt hat)

»Ein Lied kann eine Brücke sein« -so hieß mal ein Schlager-Heuler von Joy Fleming. In Schlagern mag so ein Satz abgedroschen klingen -bei Rüdiger Oppermann bekommt er eine Relevanz, die man ihm kaum noch zugetraut hätte. Am Samstag bekam man dies in der Reithalle eindrucksvoll vor Augen geführt.»Klangwelten« -unter diesem »Markenzeichen« präsentiert Oppermann schon seit Jahren auf deutschen Bühnen, was er auf seinen Reisen durch die ganze Welt an »unerhörten« Klängen zu Tage gefördert hat. Und die Welt besitzt einen unendlich großen Reichtum an Musik -das haben nicht zuletzt die Konzerte bewiesen, die das Kulturbüro und die Konzertagentur »361°« in Offenburg auf die Beine gestellt haben.Doch trotz nahezu ausverkaufter Reithalle: Es gibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Und es ist schon merkwürdig: Da kann man sich via Internet die ganze Welt zu sich nach Hause holen -doch die Weltbürgerschaft wird immer mehr zu einem Volk von Autisten, immer weniger bereit, sich dem Anderen gegenüber zu öffnen.Was früher selbstverständlich war -der Austausch zwischen Kulturen nämlich -, ist heute Spielwiese einer kleinen »Avantgarde«, die wiederum jedoch nichts Neuartiges macht, sondern an alte Traditionen anknüpft, die uns nur deshalb »neu« und »unerhört« vorkommen, weil wir das Fremde längst aus unserem Bewusstsein verdrängt haben. Leute wie Oppermann sind in Wahrheit keine Avantgardisten, sondern lebende Fossilien.Doch unsere Welt wäre ärmer ohne sie. Oppermann lebt vor, was er predigt: den Respekt vor anderen Kulturen. Das Konzert exerzierte dies geradezu mustergültig vor. In wechselnden Besetzungen machten die fünf beteiligten Ensembles gemeinsam Musik.Da ließ Sigi Hausen vom Duo Estampie ihre erhabenen mittelalterlichen Gesänge von indischen Tablas begleiten, da ließ der australische Aborigine Levi Indich seine Didgeridoo über einem indonesischen Gamelan-Trommel-Feuerwerk fauchen, röcheln und rumoren, da demonstrierte der Bulgare Angel Dobrev mit seiner Gedulka, der bulgarischen Geige, dass der Orient von Osteuropa gar nicht so weit entfernt ist.Rüdiger Oppermann selbst steuerte längst nicht nur wunderbar perlende Läufe auf seiner Harfe bei, er setzte sich auch zu den indonesischen Trommlern, spielte auf urtümlichen Saiteninstrumenten.Da überlagerten sich Ebenen zu einem pulsierenden Rhythmus, der eine mitreißende Wucht entwickeln konnte, da wurde jedoch auch mit viel Feingefühl Musik gemacht. Und vor allem: Da spielten Gleiche mit Gleichen, keiner drängte sich in den Vordergrund -jeder war ein Star für sich.»Klangwelten« -die wahren »Global Players«? Gut möglich.

© 2020 by  361° e.V. - Josh -