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Big In Iowa

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11.06.01 –Big In Iowa

Michael Müller / Offenburger Tageblatt (18.06.01)
Wir bedanken uns bei Michael Müller für den kostenlos zur Verfügung gestellten Text. (Bilder von Sebastian Küssner)

Herzerfrischend und bodenständig
Root-Rock wie aus dem Lehrbuch: Big In Iowa und Reto Burell im Offenburger Spitalkeller

Gleich beim ersten Song riss Bob Burns eine Saite, und dann ließ er auch noch die von »special guest« Reto Burrell ausgeliehene Gitarre fallen. Doch kaputt ging nichts, und auch sonst war's kein schlechtes Omen: Big In Iowa und Reto Burrell legten am Montag im Spitalkeller eine herzerfrischende Roots-Rock-Show hin.Zunächst gab Reto Burrell allen deutschen Renommier-Bands mal wieder eine Lehrstunde in Sachen Country-Rock. Es ist schon frappierend, dass ausgerechnet die kleine Schweiz uns hierzulande immer wieder vormacht, wie man solche Musik spielen muss. Leute wieHank Shizzoe oder eben Reto Burrell gibt's in Deutschland einfach nicht.Dass Reto Burrells Vater aus England stammt, wo amerikanische Musik schon immer auf einen fruchtbaren Nährboden fiel, mag eine Erklärung sein. Wahr ist aber auch, dass Country-Klänge in der Schweiz viel ernster genommen werden als in Deutschland: Seit Truck Stop diese Musik zu Wildwest-Schlager-Klischees verwurstet haben, muss man sich als Country-Fan ja schon fast schämen.Entsprechend groß sind die Berührungsängste. In der Schweizdagegen nähert man sich Country-und artverwandten Klängen viel weniger verkrampft. Und Reto Burrell bewies, dass er aufmerksam zugehört hat: Da war viel echtes Feeling zu spüren. Burrell schreibt raue, aber unerhört eingängige Songs, die den Vergleich mit den Wallflowers nicht scheuen müssen. Highlights: das federnde »Without a View« und der herrlich schnurrige Ohrwurm »I Won't Die«.Big In Iowa präsentierten sich wie schon vor einem Jahr als Musiker von echtem Schrot und Korn. Seit je her setzen sie demauf Hochglanz polierten Pop-Kommerz die bodenständigen Tugenden einer Herkunft aus der tiefsten Provinz entgegen. Da standen keine hübschen Jüngchen auf der Bühne, sondern gestandene Männer, die aus den Ritzen der Clubs und Pinten hervorgekrochen sind undherrlich unprätentiös, druckvoll und ohne mackerhafte Mätzchen Musik machen.Sie sind keine Erneuerer und wollen das auch gar nicht sein. Lieber orientieren sie sich an klassischen Vorbildern wie Van Morrison (ihre eindringliche Version »Into the Mystic«zählte zu den Highlights), Neil Young (dessen »Cinnamon Girl« sie als donnernde Zugabe spielten) oder alten Rock 'n' Roll-und Beat-Harmonien (»Little Bit o' Soul«). Und auch die ur-amerikanische Tradition der »train songs« feierte in Gestalt der Rockabilly-Nummer »Joe Baldwin's Head« fröhliche Wiederauferstehung.Von der eingangs erwähnten Panne ließen sich Bob Burns und seine Mannen überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Und zum Schluss kamen sie immer mehr in Fahrt: »Not Gone Yet«, »Nothing to Gain« und »Miss You« -da wurde so satt und oft auch mit viel Ironie vom Leder gerockt, dass es eine Lust war. »We had a great time«, meinte Bob Burns zum Abschied. Und das galt auch für die rund 60 Besucher: Sie erkämpften sich fünf Zugaben.

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