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Cary Hudson

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02.10.04 –Cary Hudson

Michael Müller / Offenburger Tageblatt (07.10.04)
Wir bedanken uns bei Michael Müller für Text und Fotos, die er kostenlos zur Verfügung gestellt hat

Leidenschaft, Würde und Weisheit -Roots-Rocker Cary Hudson im Spitalkeller
Traditionelle Klänge in zeitgemäßem Gewand

Es war ein grandioses Comeback: Cary Hudson lieferte am Samstag im Spitalkeller wieder einmal ein Musterbeispiel dafür, wie traditioneller Blues-und Folkrock zeitgemäß klingen kann.Vor gut drei Jahren war Cary Hudson schon einmal im Offenburger Spitalkeller zu Gast -mit einer Band, die es damals streng genommen gar nicht mehr gab: Blue Mountain hatten kurz zuvor das Zeitliche gesegnet, doch die Europa-Tour war schon gebucht, und so kam er kurzerhand mit dem letzten noch verbliebenen Drummer der Band, Ted Gainey, und einem neuen Bassisten, um noch einmal zu zeigen, wozu die Band fähig war. Seitdem ist Hudson unter seinem eigenen Namen unterwegs -mit einem Trio, das eine furiose Power entfachen kann. Ted Gainey ist nach wie vor dabei, und zusammen mit Thomas Jackson an der Bassgitarre bildete er einen elastischen und kompakt groovenden, doch wenn nötig auch höchst sensiblen Rhythmus-Motor.Schon mit Blue Mountain, deren letztes Studio-Album nicht umsonst »Roots« hieß und ausschließlich Cover-Versionen alten Liedguts enthielt, erforschte Hudson die Ursprünge der Musik seiner Heimat -und für einen, der wie er aus dem Bundesstaat Mississippi kommt, kann das natürlich nur Blues und Folk in allen seinen Spielarten heißen. Und es war schon eine Lust, den dreien zuzuhören. „Jellyroll“ etwa ist beinahe schon Sex pur -vorangetrieben durch donnernde Rhythmus-Arbeit, leidenschaftlichen, beinahe ekstatischen Gesang und ein grollendes, vor Kraft nur so strotzendes Riff, das in jedes Gitarristen-Lehrbuch gehört. „What the Old Man Told Me“ ist eine höchst unsentimentale, leicht melancholische Reminiszenz an seinen Vater, dessen bodenständigen Charme des Farmers Hudson in Gestalt rauer Gitarren-Arbeit höchst adäquat umsetzt -das hätte auch ein Neil Young nicht besser machen können.„Cool Breeze“ wiederum klingt genauso, wie es der Titel vermuten lässt: Entspannt kreist es um ein betörendes Blues-Lick, für das »ausgeschlafen« schon fast ein Euphemismus ist. Überhaupt spricht aus seinen Songs und seinem Gitarrenspiel nicht nur ungezügelte Leidenschaft, sondern auch Reife, Würde, Weisheit und Sentiment. Vielleicht liegt es daran, dass Hudson inzwischen Vater ist -vielleicht kann man erst dann so zärtliche Wiegenlieder schreiben wie das zum Heulen schöne „Little Darlin'“ oder wehmütige Country-Songs wie „Bay Street Blues“. Dazu noch ein paar Cover-Versionen, etwa die alte Folk-Nummer „I'll Fly Away“ oder Robert Johnsons „Stop Breaking Down“, und fertig war ein sattes Rock-Paket, das einfach nur Spaß machte -altmodisch, aber nie altbacken, traditionell, aber nie bloß nostalgisch. „Things Ain't What They Used to Be“(Nichts ist mehr wie früher) -keiner weiß das besser als Cary Hudson. Doch Konzerte wie diese machen Hoffnung, dass zeitlose Tugenden doch noch nicht vollständig auf dem Götzen-Altar von Einschaltquoten und Umsatzzahlen geopfert werden.

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