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Dakota Suite

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16.01.03 –Dakota Suite

Michael Müller / Offenburger Tageblatt (20.01.03)
Wir bedanken uns bei Michael Müller fürText und Fotos, die er kostenlos zur Verfügung gestellt hat

Ein zerbrechlicher Melancholiker
Chris Hooson und Dakota Suite in Offenburg

Ein Mann lässt in sein Innerstes schauen: Chris Hooson gewährte im Offenburger Spitalkeller mit seiner Band Dakota Suite tiefe Einblicke in sein Seelenleben. Wer sich auf die Rock-Bühne stellt, setzt meist zum Selbstschutz eine Maske auf -die des Entertainers. Da wird dann die große Show abgezogen -doch was den Fans als Identifikationsfläche geboten wird, ist nichts als Mimikry. Bei Chris Hooson ist es genau umgekehrt: Er offenbart sich auf der Bühne. Und das spiegelt sich in der Musik wider. Da wird nicht Sound-Schicht auf Sound-Schicht gekleistert, sondern nur ein paar Striche gesetzt, der Song auf das Wesentliche reduziert. Unterhält man sich mit ihm, könnte man den Eindruck kriegen, Chris Hooson sei ein »normaler«, bescheidener Mann -doch vielleicht ist das die eigentliche Maske.In seinen Songs ist er ganz bei sich: ein zerbrechlicher Melancholiker. Moll-Töne dominieren; das Tempo als »gebremst« zu bezeichnen ist fast schon untertrieben. Nicht umsonst ist der Mann aus Leeds bekennender Fan des Liverpooler Fußballklubs FC Everton -und wer Everton-Fan ist, muss leiden können, auch wenn die Evertonians in diesem Jahr ihre beste Saison seit Ewigkeiten spielen und derzeit in der Tabelle sogar vor dem großen Lokalrivalen FC Liverpool stehen.Seine musikalische Hommage an den FCE heißt denn auch »When Skies Are Grey« -alles andere als eine Hymne, sondern ein zartes Klagelied, mit hingetupften, leicht jazzigen Akkord-folgen, und dennoch wunderschön. Oft beschäftigt er sich mit den dunklen Seiten des Lebens, mit Einsamkeit, Verlust oder Tod -wie in der ersten Zugabe »The StreetsWere All I Saw«, wo es um den Selbstmord eines Freundes geht. Eine von mehreren betörenden Solo-Nummern, doch keine ging mehr unter die Haut. Fast alle seine Songs haben mit ihm selbst zu tun. Entsprechend schwer tut er sich: Bei jedem Song scheint er einen inneren Kampf auszufechten. Mal versinkt er in sich, mal bricht es mit Urgewalt ausihm heraus. Entsprechend geriet fast jeder Song zu einer emotionalen Achterbahnfahrt, da bekommt Musik etwas Kathartisches -und das ist es wohl, was Dakota-Suite-Konzerte so faszinierend und eindringlich macht.Natürlich hat auch Hooson einen Schutzmechanismus -allerdings nicht als äußere Fassade, sondern als »innere Abschottung«: Dass ihm Leute beim Musik machen zuschauen, registriert er offenbar gar nicht. Doch so kommt der Zuhörer viel näher an ihn heran -und um das zuzulassen, dazu gehört viel, viel Mut.

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