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Ralph Beerkircher Quartett

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01.10.04 - Ralph Beerkircher Quartett

Michael Müller / Offenburger Tageblatt (04.10.04)
Wir bedanken uns bei Michael Müller für Text und Fotos,die er kostenlos zur Verfügung gestellt hat

In einer spannenden Welt der Töne
Auftakt „Jazzkeller“: Ralph Beerkirchers Musik erfordert ein hohes Maß an Konzentration

Dem Mainstream hat sich »361°« noch nie angebiedert. Auch das Premierenkonzert der neuen Reihe »Jazzkeller« mit dem Gitarristen Ralph Beerkircher setzte diese Philosophie fort: die Besucher auch mal mit Künstlern zu konfrontieren, die das Abenteuer suchen. Jazz ist eine Musik, die Grenzen überwindet. Und Jazz-Musiker sind experimentierfreudig wie niemand sonst. Die neue Reihe »Jazzkeller« des Kulturvereins »361°« jedenfalls verspricht spannend zu werden. Um es vorweg zu nehmen: Es war schon ein ziemlich »harter Brocken«, den die Initiatoren den Besuchern zum Auftakt der Reihe am Freitag imOffenburger Spitalkeller vorsetzten. Ihr Mut zum Experiment ist offenbar ähnlich groß wie der der Musiker. Ralph Beerkircher zeigte, wohin die Reise noch führen kann. Der aus Offenburg stammende Jazz-Gitarrist, der heute in Köln lebt, kommt zunächst einmal aus der klassischen Musik und hat dann Jazz-Gitarre studiert.So baut er seine Kompositionen auch schon mal auf der Zwölfton-Skala eines Arnold Schönberg auf. Doch daneben baut er genauso gut schneidende Rock-Soli, jaulende Feedbacks oder Funk-Akkordeein. Dynamische Akzente Im Zusammenspiel mit seinen Mitstreitern entsteht eine komplexe, dabei äußerst dynamische Musik. Klar erkennbare Grundmotive, über die anschließend improvisiert wird, findet man kaum. Allenfalls die Unisono-Passagen zwischen Saxofon und Gitarre, die einander kunstvoll umschmeicheln, liefern einen gewissen Halt. Am konventionellsten klang noch das kontemplative »The Impossible Will Take a Little While«, das um ein betörendes Gitarren-Motiv kreist. Da konnte man sich wirklich einfach nur fallen lassen. Ansonsten erfordert die Musik ein enormes Maß an Konzentration -sowohl bei den Musikern als auch bei den Zuhörern.Und dennoch: Hört man einfach nur zu, wird man hineingezogen in eine spannende Welt von Tönen, wo sich die Konstellationen der tonangebenden Akteure ständig ändern und ineinander übergehen, wo ständig etwas passiert. Vor allem Drummer Dirk Peter Kölsch ist weit mehr als nur das »rhythmische Herz« des Quartetts; er setzt irritierende dynamische Akzente und holt aus seinem relativ kleinen Schlagzeug eine faszinierende Sound-Vielfalt heraus. Großartig »Work 6«, die Schlussnummer des regulären Konzerts: Da entfachen sie ein regelrechtes Trommelfeuer aus Tönen und Geräuschen, um dann unvermittelt in einen fast lautlosen Mittelteil überzugehen, der sich beinahe endlos hinzieht. Claudius Valk lässt sein Saxofon schnalzen, Beerkircher übernimmt mit ein paar hingetupften Einzeltönen auf der Slide-Gitarre -und so baut sich eine fast quälende Spannung auf, die sich erst zu entladenbeginnt, als Beerkircher mit einem funkigen Riff einsteigt, und die sich schließlich in furioser Improvisation auflöst.