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Phil Shoenfelt & Southern Cross

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25.01.01 - Phil Shoenfelt & Southern Cross + Support Sebastian Küssner
Michael Müller / Offenburger Tageblatt (27.01.01)
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Ein Muster an Kompaktheit
Debut für Phil Shoenfelt im Spitalspeicher

Ein gelungenes Premieren-Gastspiel und ein Bühnen-Comeback, das doch leicht in die Hose ging -die Bilanz des ersten »361°«-Konzerts fiel eher zwiespältig aus. Voll war's an diesem Donnerstag im Spitalkeller: Viele warteten gespannt auf das Bühnen-Comeback von Sebastian Küßner. 17 Jahre lang war der ehemalige Gitarrist der Lokalmatadoren Opas Traum in der Versenkung verschwunden. Jetzt stand er wieder auf der Bühne -solo zur Akustischen und mit neuen Songs, die so ganz anders waren als man es von seinen früheren Bluesrock-Haudegen gewohnt war.Es war ein stilles, melancholisches Repertoire.Eine Vorliebe für Neil-Young-Akkorde war unverkennbar. Doch Küßner wird noch kräftig feilen müssen an seinen neuen Songs.Da stecken zwar viele interessante Ideen drin. Doch seine Stimme erwies sich einfach als nicht gut genug: gerade weil seine Songs so auf Reduktion setzen, brauchen sie ein vokales Gegengewicht, das dramatische Akzente setzt und den Songs Volumen gibt. Erst als zum Schluss seine Tochter Sarid als Background-Sängerin hinzukam, wurde ansatzweise klar, was man aus den Songs noch herausholenkann. Da wurde aus den lose herumliegenden Gesteinssplittern plötzlich ein kompakter Block. Doch da war's fast schon zu spät.Vielleicht hätte Headliner Phil Shoenfelt mehr herausholen können. Denn der im nordenglischen Bradford geborene und in Prag lebende Sänger und Gitarrist hat ein sonores Bariton-Organ, das mit markiger Schärfe seinen Songs einen markanten Stempel aufdrückt. Seine Vorlieben gelten denn auch den »Poeten der Düsternis«: Mit Lydia Lunch und Sonic Youth hat er schon gearbeitet, und bei Nick Cave hat er das Vorprogramm bestritten. Und vor allem dessen Geist huschte immer wieder durch die Kulissen, ebenso wie der von Leonard Cohen, der vor allem in der epischen »Ballad Of Elijah Cain« deutliche Spuren hinterlassen hat. Auch sonst wurde nachHerzenslust zitiert.Den Moll-Walzer »Darkest Hour« könnte man sich auch von den Stranglers vorstellen, bei »Shining World« fühlte man sich zeitweise an Bob Dylans »All Along the Watchtower« erinnert, und »Damage« ist ein fast schon unverschämtes Iggy-Pop-Rip-Off -»The Passenger« in Zeitlupe sozusagen.Nicht zuletzt profitiert er dabei von seiner vorzüglichen Begleitband, die er aus Musikern seiner Wahlheimat rekrutiert hat. Pavel Krtous' schnörkelloses Bass-Spiel und Jurde Krtous' groovendes Drumming sorgten für satten Schub nach vorn und gleichzeitig für eine federnde Geschmeidigkeit, die den Songs viel von ihrer bleiernen Schwere nahm.Und Pavel Cingl verstärkte nicht nur die Gitarren-Front, sondern streute auch wunderschöne Fills auf der Violine ein, die vor allem aus »Veronica« oder »Saviour's Day« Perlen stiller Melancholie machten. Vielleicht vermisste man auf Dauer etwas mehr Abwechslung -doch insgesamt war's ein Muster an Kompaktheit. Und besser gut geklaut als schlecht erfunden!

Christian Jäger / Badische Zeitung (30.01.01)
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Mit Liebe, Dynamik und Emotionen

Sebastian Küßner kehrte nach 17 Jahren auf die Bühne zurück –und brachte Tochter Sarid mitDer Spitalkeller war wieder einmal Treffpunkt der Musikfreunde. Knapp 70 Besucher hatten sich eingefunden, um Phil Shoenfelt & Southern Cross und Sebastian Küßner zu sehen. Zugegeben: Der Großteil der Besucher war wegen Sebastian Küßner erschienen. Der Lokalmatador dürfte vielen noch ein Begriff sein: Solo und als Frontmannder Rockband "Opa's Traum" feierte er in den 80er Jahren große Erfolge. Nach 17jähriger Bühnenabstinenz gab er sein Können wieder zum Besten.Im Vergleich zu seiner rockigen Vergangenheit hat Küßner nun einen anderen musikalischen Weg eingeschlagen. Mit Unterstützung seiner Stimme und der Akustikgitarre vereint er Liebe, Dynamik und Emotionen in seinen Texten. Diese musikalische Prägung zog sich durchs ganze Programm und wurde besondersbei den Titeln "Shadow Love", "Is it love is it me" und "Take my blues away" deutlich.Doch wer dachte, die ganze Performance "verkommt" zu einer One Man-Show, sah sich getäuscht. Nach der Vorstellung einiger seiner neuen Stücke stellte Daddy Küßner seine Tochter Sarid vor, die von ein paar Eingeweihten schon sehnsüchtig erwartet wurde. Mit ihrer phänomenalen Stimme verzauberte sie die Menge, ihr Vater begleitete sie mit sanften, harmonievollen Klängen. Bei "Together", "Waiting for the wind" und "Bring mylove to you" wurde klar: Dieser Künstlerin gehört die Zukunft. Das Duett bescherte ein tolles Finale und wurde unter großem Beifall verabschiedet. Es wird nicht der letzte Auftritt der beiden gewesen sein. Fans ehrlicher Musik dürfen sich freuen.Der nächste Liveact: Phil Shoenfelt & Southern Cross, eine englisch-tschechische Verbindung, und für Fans dieses Genres ein Hochgenuss. Phil Shöenfelt, britischer Musiker, hat eine lange musikalische Laufbahn hinter sich. Nach Aufenthalt im New Yorker Lager um den berühmten Manager Nat Finkelstein und Zusammenarbeit mit Bands wie Lydia Lunch, Sonic Youth und The Fall, zog es ihn in den 80er Jahren zurück nach London, er absolvierte drei Soloalben und fungierte unter anderem als Supporter für Nick Cave & The Bad Seeds. 1995 verschlug es ihn nach Prag, wo er seine heutige Band kennen lernte.Ihr zweites Album "Dead Flowers for Alice" (erschienen 1999) war Gegenstand ihrer Performance. Der musikalische Stil: dunkle, romantische Phantasien eingehüllt in eine paranoide, tragische Melancholie. Die Nähe zu Nick Cave ist unverkennbar, Phil's Texte legen eine Verbindung zu Autoren wie Edgar Allan Poe und Marquis de Sade nahe. Titel vom neuen Album wie "Darkest Hour" oder "Devils Hole" beleuchteten die dunkle Seite. Pavel Cingl, Pavel Krtous und Jarda Kvasnicka mit ihren multiplen Schichten von verzerrten Gitarren, außerordentlichen Rhythmus-Sections und der toll eingesetzten Violine harmonierten mit ihm. Mit "Only you", "Ballad of Elijah Cain" wurden auch sanfte Töne angeschlagen, die die Sehnsucht nach Heimat und Liebe bezeugen. Die Fans kamen teilweise aus der Landeshauptstadt, um die gelungene Performance mitzuerleben. Der Untergrund lässt grüßen.